Zu Gast
Thomas Løstegård
Head of Business Unit Germany/Geschäftsführer
TOMRA Collection Deutschland
August 14, 2026
BaZxfXXvTGw
https://open.spotify.com/episode/5tfYwJLM6o2uSFFcubOoDF?si=f52072f5fe834849
Inhalt
Folge 24
·
48 Min.

Braucht KI den Big Bang?

KI im Mittelstand ist selten ein „Big Bang“, sondern eher eine Serie von Entscheidungen unter Unsicherheit. In dieser Folge sprechen Simon Biela und Thomas Løstegård, Geschäftsführer bei TOMRA Collection Deutschland, darüber, warum sich KI nur dann durchsetzt, wenn sie reale Probleme löst, in Verantwortungsbereichen verankert wird und sich rechnen muss.

KI muss mehr als bessere E-Mails und bessere Präsentationen sein. KI muss in die Business-Prozesse eingreifen.

KEY FACTS

  • KI ist kein Selbstzweck, sondern Teil von Prozess- und Qualitätsverbesserung.
  • Warten ist selten neutral und vergrößert den Abstand.
  • ROI ist wichtig, aber nicht alles ist sofort sauber rechenbar.
  • KI steckt bereits in Standard-Tools, aber Wert entsteht erst durch Projekte mit messbarer Wirkung.
  • KI-Einführung ist Führung und braucht Kommunikation, Ausbildung und klare Verantwortlichkeiten.
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KI ist kein Projekt, sondern eine Management-Entscheidung

Die Folge startet mit der scheinbar simplen Frage: Wäre es schlimm, wenn man bei KI noch drei Jahre wartet? Die Antwort ist nicht dramatisch, aber eindeutig. Wer wartet, vergrößert den Abstand und verliert vor allem die Lernkurve, die man später ohnehin nachholen muss. Das Gespräch macht diese Logik sehr greifbar, weil es nicht um „KI ja oder nein“ geht, sondern um Wettbewerbsfähigkeit, Entscheidungstempo und Verantwortung. Damit wird KI hier als Führungs- und Organisationsfrage verhandelt, nicht als Tool-Thema. Die zentrale Weiche liegt darin, ob ein Unternehmen sich früh genug die Routine aufbaut, Chancen von Versprechen zu unterscheiden und aus ersten Schritten echte interne Kompetenz zu machen.

ROI, Realismus und der Umgang mit Versprechen

Ein roter Faden im Gespräch ist der Realitätstest. KI-Projekte müssen sich in vielen Fällen rechnen, und auch dort, wo sich Nutzen nicht sofort in Euro ausdrücken lässt, gilt es, kritisch zu hinterfragen und realistisch zu bleiben. Thomas beschreibt sehr klar, dass gerade im Mittelstand kein Platz für Wunschdenken ist, wenn am Ende ein ROI erwartet wird und jede Initiative Ressourcen bindet. Weil Anbieter häufig „große Bilder“ malen, wird „klein anfangen“ zur Methode. Projekte werden auf das Wesentliche heruntergekocht, Risiken werden begrenzbar, und man lernt schneller, was im eigenen Betrieb tatsächlich funktioniert. Das schließt ausdrücklich ein, dass nicht jedes Projekt ein Erfolg wird und dass Scheitern als Teil des Lernprozesses mitgedacht werden muss.

„Wir machen nicht KI“, wir lösen Probleme”

Thomas beschreibt den Ansatz bewusst nicht als „KI machen“. Im Mittelpunkt stehen Prozess- und Qualitätsverbesserung, also die klassische Betriebslogik, jeden Tag besser zu werden. KI gehört dazu, aber sie ist nicht das Etikett, das man sich ans Revers steckt. Wichtig ist auch der Hinweis, dass KI oft schon im Alltag vorhanden ist, nämlich eingebettet in Standard-Software wie Microsoft oder in ERP-Systeme. Relevant wird es dort, wo gezielte Projekte an echten Reibungsverlusten ansetzen, etwa bei manueller Arbeit, beim Sortieren und Prüfen von Datenlisten oder bei komplexen Datenkonstrukten, bei denen sichergestellt werden muss, dass alle Teile vollständig sind. Der Maßstab ist Unterstützung im Alltag in Form von besseren Entscheidungen, effizienterem Arbeiten und am Ende höhere Qualität.

Verankerung in Verantwortungsbereichen und Menschen mitnehmen

Ein wiederkehrender Punkt ist Verankerung. KI darf nicht als Projekt mit Enddatum laufen, sondern muss in Verantwortungsbereichen andocken, in denen Mitarbeitende täglich Probleme lösen. Thomas betont, dass der Nutzen nicht nur „kommuniziert“ werden kann, sondern im Alltag erkennbar sein muss. Mitarbeitende müssen glauben können, dass es etwas bringt, sonst bleibt es abstrakt. Dazu gehören Kommunikation, Ausbildung und das bewusste Mitnehmen der Organisation. Im Gespräch wird auch der konkrete Start beschrieben, etwa über Führungskräfte-Runden, erste Lizenzen für den Einstieg und das Sammeln von Ideen und Cases aus dem Betrieb. Die Logik dahinter ist klar. Akzeptanz entsteht dort, wo Menschen ihre Arbeit wiedererkennen und wo Verantwortung nicht in einer isolierten KI-Ecke verschwindet.

Was verändert sich wirklich?

Die Folge zeigt KI als Lern- und Organisationsfrage. Es geht um iteratives Vorankommen ohne Big Bang, aber mit Richtung. Wer früh anfängt, versteht schneller, was machbar ist, wo Grenzen liegen und welche Versprechen im eigenen Kontext nicht halten. Am Ende steht eine sehr praktische Definition von Fortschritt. KI greift dann in echte Business-Prozesse ein, wenn sie über „bessere E-Mails“ und „bessere Präsentationen“ hinausgeht und dort wirkt, wo Entscheidungen vorbereitet, Qualität gesichert und Arbeit tatsächlich erleichtert wird.

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