Zu Gast
Karl-Heinz Land
Digitalunternehmer, Gründer und Investor
neuland AI
July 1, 2026
OrauTizZeW4
https://open.spotify.com/episode/4VsIGEumLBE8bPuHpuc7gr
Inhalt
Folge 19
·
56 Min.

Wird KI die neue Unternehmenssoftware?

ERP-Systeme, CRM-Lösungen, Wissensdatenbanken und Fachanwendungen prägen seit Jahrzehnten die digitale Infrastruktur von Unternehmen. Doch mit dem Aufstieg generativer KI stellt sich eine grundlegende Frage: Brauchen wir diese Software in Zukunft überhaupt noch in ihrer heutigen Form? Simon spricht mit dem Digitalunternehmer Karl-Heinz Land über die nächste Entwicklungsstufe der Unternehmens-IT, die Rolle von “KI Made in Germany” und darüber, warum der eigentliche Wandel nicht in besseren Chatbots liegt, sondern in einer völlig neuen Art, wie Unternehmen auf Wissen, Prozesse und Entscheidungen zugreifen.

„Die Macht wird sich dramatisch verschieben, weg von den Backend-Systemen, hin zum Frontend. Und das Frontend wird die KI.“

KEY FACTS

  • KI entwickelt sich vom zusätzlichen Werkzeug zur zentralen Benutzeroberfläche für Unternehmenswissen
  • Klassische Software wird zunehmend unsichtbar und im Hintergrund von KI-Agenten gesteuert
  • Der Wettbewerb verschiebt sich von Funktionen und Anwendungen hin zu Daten, Wissen und Kontext
  • Deutsche Unternehmen verfügen über wertvolle Domänenexpertise, die zum entscheidenden KI-Vorteil werden kann
  • Wer heute eigene Wissenssysteme aufbaut, schafft die Grundlage für zukünftige KI-gestützte Geschäftsmodelle
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KI wird zur neuen Benutzeroberfläche

Unternehmenssoftware folgt seit Jahrzehnten demselben Prinzip. Menschen öffnen Anwendungen, navigieren durch Menüs und suchen Informationen in verschiedenen Systemen. Mit generativer KI entsteht erstmals eine Alternative. Statt zahlreiche Programme zu bedienen, kommunizieren Mitarbeiter direkt mit einer intelligenten Schnittstelle, die Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammenführt und Aufgaben eigenständig ausführt. Damit verändert sich nicht nur die Bedienung von Software. Die Software selbst tritt zunehmend in den Hintergrund. Anwendungen werden zu Infrastrukturelementen, während KI die zentrale Interaktionsschicht übernimmt.

Der eigentliche Wettbewerb findet beim Wissen statt

Viele Unternehmen konzentrieren sich aktuell auf die Einführung neuer KI-Tools. Karl-Heinz Land sieht die eigentliche Herausforderung jedoch an anderer Stelle. Nicht die Technologie wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor, sondern das Wissen, das sie nutzen kann. Wer über hochwertige Daten, dokumentierte Prozesse und strukturiertes Unternehmenswissen verfügt, kann deutlich leistungsfähigere KI-Systeme aufbauen als Wettbewerber. Gerade deutsche Unternehmen verfügen hier über enormes Potenzial. Jahrzehntelang aufgebautes Fachwissen könnte zu einem strategischen Vermögenswert werden, wenn es für KI nutzbar gemacht wird.

Warum KI Made in Germany an Bedeutung gewinnt

Mit der zunehmenden Integration von KI in Kernprozesse wächst auch die Bedeutung digitaler Souveränität. Unternehmen wollen verstehen, wo ihre Daten verarbeitet werden, welche Modelle zum Einsatz kommen und wer die Kontrolle über kritische Systeme besitzt. Dadurch entstehen neue Chancen für europäische und deutsche Anbieter. Statt ausschließlich auf globale Foundation Models zu setzen, könnten spezialisierte Lösungen entstehen, die auf lokale Anforderungen, regulatorische Rahmenbedingungen und branchenspezifisches Wissen zugeschnitten sind. KI Made in Germany wird damit nicht nur zu einem politischen Ziel, sondern zu einem wirtschaftlichen Differenzierungsmerkmal.

Das Ende klassischer Unternehmenssoftware?

Die Diskussion zeigt, dass bestehende ERP-, CRM- oder Dokumentenmanagementsysteme nicht über Nacht verschwinden werden. Ihre Rolle verändert sich jedoch grundlegend. Künftig könnten viele Anwendungen nicht mehr direkt von Menschen genutzt werden, sondern von KI-Agenten, die Informationen abrufen, Prozesse anstoßen und Entscheidungen vorbereiten. Der Nutzer interagiert dann nicht mehr mit einzelnen Programmen, sondern mit einer intelligenten Ebene darüber. Die eigentliche Software bleibt bestehen, wird aber zunehmend unsichtbar.

Was verändert sich wirklich?

Die entscheidende Veränderung ist nicht, dass Unternehmen neue KI-Werkzeuge einsetzen. Sie besteht darin, dass sich die Logik der Unternehmens-IT verschiebt. Bisher standen Anwendungen im Mittelpunkt. Künftig werden Wissen, Daten und Kontext zur zentralen Ressource. Für Unternehmen bedeutet das: Der Aufbau einer belastbaren Wissensbasis wird wichtiger als die Auswahl einzelner Tools. Wer seine Informationen sauber strukturiert, Prozesse dokumentiert und KI früh in die eigene Wertschöpfung integriert, schafft die Voraussetzungen für die nächste Generation digitaler Geschäftsmodelle. Die Frage lautet deshalb nicht mehr, welche Software künftig genutzt wird. Die Frage lautet, welche Unternehmen ihr Wissen so organisieren, dass KI daraus echten Wettbewerbsvorteil machen kann.

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