
Drei Jahre nach dem Durchbruch von ChatGPT verändert KI bereits spürbar die Arbeitsweise vieler Unternehmen. Doch was bedeutet das konkret für ein Unternehmen, dessen Kerngeschäft seit Jahrzehnten Softwareentwicklung ist? Simon Biela spricht mit Matthias Steinforth, Mitgründer und Geschäftsführer der Digitalagentur kernpunkt, über Produktivitätssprünge, kulturellen Wandel und die Frage, wie sich ein Geschäftsmodell verändert, wenn KI plötzlich einen Großteil der bisherigen Arbeit übernehmen kann.
„Die Unternehmen und Menschen, die in der Lage sind, sich zu wandeln und sich an die neue Situation anzupassen, werden damit auch erfolgreich sein.“

Die ersten KI-Anwendungen sind längst Alltag. Entwickler nutzen Werkzeuge wie Cursor zur Unterstützung beim Programmieren und beschleunigen damit bestehende Arbeitsabläufe. Für Steinforth ist das jedoch nur die erste Stufe der Entwicklung. Der eigentliche Wandel beginnt dort, wo KI nicht mehr einzelne Codezeilen ergänzt, sondern komplette Architekturen, Tests, Dokumentationen und Anwendungen erstellt. Die Rolle des Entwicklers verschiebt sich dadurch vom handwerklichen Umsetzen hin zum Gestalten und Beschreiben komplexer Lösungen.
Besonders deutlich zeigt sich der Effekt bei Projekten, die von Anfang an KI-zentriert geplant werden. Dort entstehen laut Steinforth Effizienzgewinne, die weit über klassische Produktivitätssteigerungen hinausgehen. Unternehmen stehen deshalb vor einer strategischen Entscheidung: Entweder sie lernen frühzeitig, KI systematisch einzusetzen, oder Wettbewerber nutzen die Vorteile schneller. Gleichzeitig geht es nicht darum, weniger Arbeit zu verkaufen, sondern mit denselben Budgets mehr Qualität, mehr Funktionalität und mehr Wertschöpfung zu schaffen.
Trotz aller technologischen Möglichkeiten sieht Steinforth die größte Aufgabe nicht in der Software, sondern in den Menschen und Organisationen. Teams müssen neue Arbeitsweisen erlernen, Verantwortung neu definieren und Vertrauen in KI-gestützte Prozesse aufbauen. Dabei erinnert die aktuelle Entwicklung an frühere Umbrüche wie die Einführung agiler Methoden, allerdings mit deutlich höherer Geschwindigkeit. Entscheidend sei deshalb, die Organisation mitzunehmen, ohne den Wandel zu verschlafen.
Für die Zukunft erwartet Steinforth weniger klassische Entwicklungsarbeit und deutlich mehr Beratung, Strategie und Problemlösungskompetenz. Gefragt seien Menschen, die Geschäftsprobleme verstehen und KI gezielt einsetzen können, um daraus Lösungen abzuleiten. Gleichzeitig werde die Fähigkeit, Veränderungen anzunehmen und kontinuierlich zu lernen, zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Denn unabhängig davon, wie sich die Technologie entwickelt, bleibt für ihn eine Überzeugung bestehen: Die Unternehmen und Menschen, die sich anpassen können, werden auch in der KI-Ära erfolgreich sein.
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