
Viele Unternehmen investieren aktuell in KI-Schulungen, Pilotprojekte und neue Tools. Doch warum bleibt die Wirkung oft aus? Simon Biela spricht mit KI-Beraterin Katharina Mager-Micijevic über die eigentlichen Bremsen der KI-Transformation. Im Mittelpunkt stehen nicht Modelle oder Prompts, sondern Führung, Organisationskultur und die Frage, warum motivierte Mitarbeiter häufig an bestehenden Strukturen scheitern.
„KI ist eigentlich ein Symptom dafür, dass Organisationen ihr System hinterfragen und sich an eine neue Geschwindigkeit und Komplexität anpassen müssen.“

In ihren Workshops erlebt Katharina Mager-Micijevic immer wieder dieselbe Situation: Mitarbeiter verstehen schnell, welches Potenzial KI für ihren Arbeitsalltag bietet. Sie entwickeln Ideen, identifizieren Anwendungsfälle und wollen Veränderungen anstoßen. Die eigentliche Herausforderung beginnt jedoch danach. Viele Organisationen verfügen weder über klare Zuständigkeiten noch über strategische Entscheidungen, Budgets oder Freiräume, um solche Ideen umzusetzen. Die Folge ist Frustration und das nicht wegen der Technologie, sondern wegen bestehender Strukturen.
Für Mager-Micijevic beginnt erfolgreiche KI-Transformation ganz oben. Erst wenn Geschäftsführung und Führungskräfte verstehen, dass KI weit mehr als ein neues Software-Tool ist, entstehen die Voraussetzungen für echte Veränderung. Dazu gehören sichere Werkzeuge, klare Richtlinien, Verantwortlichkeiten und vor allem die Erlaubnis zu experimentieren. KI sei dabei weniger die eigentliche Herausforderung als vielmehr ein Auslöser, bestehende Organisationsmodelle zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.
Besonders spannend findet Mager-Micijevic die Beobachtung, dass die treibenden Kräfte der Transformation häufig nicht dort sitzen, wo Unternehmen sie vermuten. Oft sind es Mitarbeiter, die bislang wenig Sichtbarkeit hatten, plötzlich aber mit KI neue Möglichkeiten entdecken und Verantwortung übernehmen. Diese Menschen werden jedoch erst sichtbar, wenn Unternehmen gezielt Räume für Lernen, Austausch und Experimente schaffen. Wer solche Freiräume bietet, entdeckt interne Multiplikatoren, die Veränderungen aus eigener Motivation vorantreiben.
Große Unterschiede erkennt Mager-Micijevic zwischen Unternehmen, die bereits in den vergangenen Jahren in agile Zusammenarbeit, bereichsübergreifende Kommunikation und Veränderungskompetenz investiert haben, und solchen, die weiterhin in starren Silos arbeiten. Dort, wo kontinuierliches Lernen bereits Teil der Unternehmenskultur ist, wird KI als nächste Entwicklungsstufe verstanden. Andere Organisationen versuchen dagegen noch immer, neue Technologien in Strukturen einzupassen, die für eine andere Zeit geschaffen wurden.
Für Katharina Mager-Micijevic ist KI deshalb vor allem ein Verstärker bereits vorhandener Herausforderungen. Fragen nach Führung, Motivation, Zusammenarbeit und Zukunftsfähigkeit existierten lange vor ChatGPT. Die Technologie macht diese Themen lediglich sichtbarer und dringlicher. Entscheidend wird deshalb nicht sein, welche Unternehmen die neuesten KI-Tools einsetzen, sondern welche Organisationen lernen, sich kontinuierlich anzupassen und gemeinsam Veränderungen zu gestalten.
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