Zu Gast
Marco Zingler
Managing Partner
Denkwerk
July 1, 2026
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Inhalt
Folge 11
·
50 Min.

Brauchen wir noch Juniorjobs?

Wenn KI Code schreibt, Tests erstellt und Fehler findet – wofür brauchen wir dann noch Entwickler? Und was passiert mit den Menschen, die bisher genau diese Aufgaben übernommen haben? Simon Biela spricht mit Rolf Ziegler, Managing Partner der Kölner Digitalagentur denkwerk, über die Zukunft der Softwareentwicklung, den Wandel von Berufsbildern und die Frage, warum KI nicht einfach Arbeit ersetzt, sondern ganze Prozesse neu definiert.

"Die eigentliche Herausforderung ist nicht die Technologie, sondern die Frage, wie sich Rollen und Verantwortlichkeiten in Organisationen neu verteilen."

KEY FACTS

  • KI ersetzt vor allem Routinetätigkeiten und verändert die Rolle von Entwicklern grundlegend
  • Die größten Effizienzgewinne entstehen nicht durch neue Tools, sondern durch neue Prozesse
  • Softwareentwickler werden zunehmend zu Orchestratoren von KI-Agenten
  • Unternehmen stellen bereits heute weniger Junior-Entwickler ein als noch vor wenigen Jahren
  • Neue Rollen wie Requirements Engineers gewinnen an Bedeutung
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KI verändert nicht nur Werkzeuge, sondern ganze Prozesse

Viele Unternehmen führen KI zunächst als zusätzliches Tool ein. Doch genau dort liegt laut Rolf Ziegler die größte Fehleinschätzung. Wer bestehende Abläufe unverändert lässt und lediglich neue Technologien ergänzt, schöpft das eigentliche Potenzial nicht aus. Wirkliche Produktivität entsteht erst dann, wenn Prozesse neu gedacht werden. Die Einführung von KI ist deshalb weniger eine Softwareentscheidung als ein umfassender Transformationsprozess.

Vom Entwickler zum Orchestrator

Die klassische Rolle des Softwareentwicklers verändert sich grundlegend. Statt selbst jede Zeile Code zu schreiben, koordinieren Entwickler zunehmend ein Netzwerk aus KI-Agenten, die einzelne Aufgaben übernehmen. Programmierer werden zu Orchestratoren, die Anforderungen formulieren, Ergebnisse bewerten und Prozesse steuern. Routineaufgaben verschwinden dabei nicht nur schneller, sondern werden in vielen Fällen vollständig automatisiert.

Das Ende der klassischen Junior-Karriere?

Besonders sichtbar wird diese Entwicklung beim Berufseinstieg. Viele Tätigkeiten, die bisher von Junior-Entwicklern übernommen wurden, gehören genau zu den Aufgaben, die KI besonders gut erledigt. Dadurch entstehen neue Herausforderungen für Unternehmen: Wenn Einsteiger weniger Routinearbeit übernehmen, wie lernen sie dann ihren Beruf? Ziegler ist überzeugt, dass sich nicht nur Unternehmen, sondern auch Hochschulen anpassen müssen. Die Ausbildung der nächsten Generation wird stärker darauf ausgerichtet sein, mit KI-Systemen zusammenzuarbeiten und sie gezielt zu steuern.

Neue Rollen entstehen

Während einige Aufgaben an Bedeutung verlieren, entstehen gleichzeitig neue Berufsbilder. Rollen wie Requirements Engineers, die Kundenanforderungen strukturieren und für KI-gestützte Entwicklungsprozesse aufbereiten, gewinnen an Relevanz. Gleichzeitig verschwimmen bisherige Grenzen zwischen Konzeption, Entwicklung und Umsetzung. Software entsteht künftig in enger Zusammenarbeit zwischen Menschen und intelligenten Systemen.

Was verändert sich wirklich?

Die Debatte über KI konzentriert sich häufig auf Effizienz und Automatisierung. Für Rolf Ziegler geht es jedoch um weit mehr. Die eigentliche Veränderung betrifft nicht einzelne Tätigkeiten, sondern die Art, wie Unternehmen arbeiten, organisieren und Wert schaffen. Softwareentwicklung ist dabei nur eines der ersten Berufsfelder, in denen dieser Wandel sichtbar wird. Was heute Entwickler erleben, könnte schon bald für viele andere Wissensberufe gelten. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, welche Aufgaben KI übernimmt, sondern wie Menschen ihre Rolle in einer zunehmend agentischen Arbeitswelt neu definieren.

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