
KI verspricht mehr Automatisierung, intelligentere Prozesse und autonome Agenten. Gleichzeitig kämpfen Unternehmen mit einer immer größeren Anzahl von Anwendungen, Datenquellen und Systemen. Simon Biela spricht mit Dirk Ramhorst, Chief Transformation Officer bei ServiceNow, über die Frage, warum KI nicht automatisch zu weniger Komplexität führt, weshalb Unternehmen einen zentralen Orchestration Layer brauchen und warum die eigentliche Herausforderung der KI-Transformation weniger technisch als organisatorisch ist.
„Deswegen ist es wichtig, einerseits dezentral zu handeln und agieren zu lassen, aber zentral orchestrieren zu lassen.“

Mit KI entstehen in Unternehmen immer mehr dezentrale Anwendungen, Agenten und Automatisierungen. Mitarbeitende können eigene Lösungen entwickeln, Prozesse eigenständig optimieren und neue Werkzeuge nutzen. Für Ramhorst ist diese Entwicklung grundsätzlich sinnvoll. Gleichzeitig wächst dadurch jedoch die Komplexität. Unternehmen müssen nachvollziehen können, welche KI-Systeme eingesetzt werden, welche Daten verarbeitet werden und wie Entscheidungen zustande kommen. Deshalb brauche es neben der Dezentralisierung auch eine zentrale Governance und einen Orchestration Layer, der Transparenz und Kontrolle schafft.
Viele Unternehmen investieren in KI, ohne vorher klar zu definieren, welches Problem eigentlich gelöst werden soll. Ramhorst verweist auf Erfahrungen aus dem CIO-Umfeld, wonach ein Großteil der KI-Projekte die Erwartungen nicht erfüllt. Die Ursachen liegen häufig in fehlender Strategie, mangelnder Befähigung der Mitarbeitenden oder einer unzureichenden Datenbasis. Erfolgreich sind vor allem Projekte, die auf konkrete Geschäftsziele einzahlen und deren Nutzen messbar ist. KI allein erzeugt noch keinen Mehrwert. Entscheidend ist, wie sie in Prozesse und Wertschöpfung integriert wird.
Während viel über Modelle, Agenten und Tools gesprochen wird, sieht Ramhorst die größte Herausforderung bei den Menschen. Viele Mitarbeiter sammeln privat bereits Erfahrungen mit KI, können diese aber im Unternehmensalltag nicht nutzen. Unternehmen müssten deshalb Räume schaffen, in denen Lernen, Ausprobieren und Wissensaustausch möglich werden. Wer KI erfolgreich einsetzen will, muss nicht nur Technologien einführen, sondern die Organisation befähigen, mit kontinuierlicher Veränderung umzugehen und neue Arbeitsweisen zu entwickeln.
Für Ramhorst ist KI kein klassisches Technologieprojekt mit einem klaren Endzustand. Die Geschwindigkeit der Entwicklung macht langfristige Planung zunehmend schwieriger. Statt starrer Zielbilder brauche es Organisationen, die sich kontinuierlich an neue Rahmenbedingungen anpassen können. In dieser Entwicklung gewinnt auch die Rolle des CIO an Bedeutung, nämlich als Orchestrator von Daten, Plattformen, Sicherheit und Transformation. Der entscheidende Wettbewerbsvorteil entsteht dabei nicht durch einzelne KI-Tools, sondern durch die Fähigkeit einer Organisation, Lernen und Veränderung dauerhaft zu verankern.
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