
Kann man KI überhaupt patentieren und wenn ja, was genau eigentlich? Simon Biela spricht mit der europäischen Patentanwältin Isabella Sommer-Zhang über die Frage, wem KI-Innovationen gehören und warum das Thema für Unternehmen strategisch wichtiger ist, als viele vermuten.
„Bei KI ist die Frage eigentlich nicht: Ist KI patentierbar? Sondern: Ist die technische Anwendung patentierbar?“

Viele Unternehmen gehen davon aus, dass KI als Technologie grundsätzlich patentierbar oder grundsätzlich ausgeschlossen ist. Tatsächlich liegt die Wahrheit dazwischen. Isabella Sommer-Zhang erklärt, warum die entscheidende Frage nicht die KI selbst betrifft, sondern ihre technische Wirkung. Während reine Algorithmen und Geschäftsmodelle in der Regel nicht patentiert werden können, entstehen Schutzrechte dort, wo KI konkrete technische Probleme löst und messbare Auswirkungen in der realen Welt erzeugt.
Gerade im deutschen Mittelstand entstehen täglich patentierbare Lösungen, ohne dass sie als solche erkannt werden. Oft fehlt nicht die Innovation, sondern das Bewusstsein dafür. Anhand praktischer Beispiele zeigt Isabella, wie Unternehmen KI einsetzen, um Materialeigenschaften zu analysieren, Produktionsprozesse zu optimieren oder Messverfahren zu verbessern. Viele dieser Anwendungen erfüllen die Voraussetzungen für ein Patent, werden jedoch nie angemeldet.
Patente dienen nicht nur dem Schutz vor Nachahmern. Sie schaffen Vermögenswerte, erhöhen den Unternehmenswert und können zur Grundlage neuer Geschäftsmodelle werden. Besonders im Umfeld von KI entsteht ein globaler Wettbewerb um technologische Schutzrechte. Während Unternehmen in den USA und China systematisch Patentportfolios aufbauen, fehlt in Europa häufig die strategische Priorisierung. Das könnte langfristig zu technologischen Abhängigkeiten führen.
Wer KI nutzt, sollte Eigentum mitdenken. Die Diskussion über künstliche Intelligenz konzentriert sich häufig auf Produktivität, Automatisierung und neue Anwendungsfälle. Doch hinter jeder Innovation steht auch die Frage nach Eigentum und Kontrolle. Isabella Sommer-Zhang macht deutlich, dass Patente kein juristisches Randthema sind, sondern ein strategisches Instrument für Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftssicherung. Unternehmen, die KI einsetzen, sollten deshalb nicht nur über Technologie nachdenken, sondern auch darüber, wie sie ihre Innovationen dauerhaft absichern.
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